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Newsletter der Seniorenvertretung
Tempelhof-Schöneberg 08/2020

Noch ist kaum etwas normal


Gestern in Rente mit 70 und heute mit 60 in Quarantäne? / Wie weiter in der Seniorenarbeit im Bezirk / Nützliche Links und Telefonnummern / Kleine Hilfe mit großer Wirkung / Corona-Sicherheitsabstand ... für Fußgänger eine Illusion / Der Enkeltrick mutiert in der Corona-Zeit / Sitzung, aber keine Sprechstunden der Seniorenvertretung / Zum Abschluss

Gestern in Rente mit 70 und heute mit 60 in Quarantäne?

Vorschläge in Zeiten vor und in Zeiten nach Corona


In Corona-Zeiten wird oft von der Risikogruppe 60+ geredet. Mehr noch als das Alter korreliert die Pflegebedürftigkeit mit dem Corona-Risiko, auch wenn sie mit dem Alter verbunden ist.  Pflegebedürftigkeit nach Altersgruppen und Geschlecht zum Jahresende 2017 - Destatis Pflegestatistik 2017 - Zusammenstellung durch die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg


Kommentar in Zeiten von Corona. Um Ostern herum wurde darüber spekuliert, ob die Menschen ab 60 in Quarantäne geschickt werden sollten, damit die Jüngeren sich frei bewegen können (ZDF-Nachrichten). Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre gefordert wurde (ARD-Nachrichten, Oktober 2019). Ganz offensichtlich geht es drunter und drüber, wenn ein erreichtes Alter pauschal für die Quarantäne reichen soll, vor einem halben Jahr im gleichen Alter jedoch noch 10 Jahre bis zur Rente hätten gearbeitet werden sollen.
Weder aber sind 'die Alten' fit genug, um noch mit 70 auf dem Bau herumzuspringen, noch sind alle mit 60 so kaputt, dass es sich bei ihnen ausnahmslos um eine Hochrisikogruppe handelt. Mag es bei der Verrentung noch angehen, dass eine Regelaltersgrenze als Obergrenze festgelegt wird, wird eine solche Altersgrenze völlig verquer, wenn sie mit einem Gesundheitszustand oder mit der Einsortierung zu einer Risikogruppe gleichgesetzt wird.
'Die Alten', das ist die heterogenste Bevölkerungsgruppe der Gesellschaft. Dazu gehören die sogenannten Jungen Alten, die sich um ihre hochbetagten Eltern kümmern, die fitten Marathonis und langjährig Pflegebedürftige.
Vereinfacher und Pauschalierer zeigen auf die Alten und wollen Exklusion durch Wegsperren. Wen man nicht sieht, um den braucht man sich nicht gezielt kümmern. Dagegen steht die Schutzbedürftigkeit unterschiedlichster Personengruppen, für die eine inklusive Bewältigungsstrategie der Corona-Krise erforderlich wäre. Eine solche diskriminierungsfreie Bewältigungsstrategie fordert z.B. die Landesvereinigung Selbsthilfe e.V. in einem Impulspapier (die Landesvereinigung Selbsthilfe ist der Dachverband für Vereine mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und chronischen Erkrankungen).
Zu den sogenannten vulnerablen Bevölkerungsgruppen gehören eben nicht nur die Alten, sondern z.B. auch genesende Krebskranke, deren Immunsystem völlig durcheinander ist. Und wer als junger Mensch an seltenen Krankheiten leidet, wird für inklusiv geprägte gesellschaftliche Rücksichtnahme in Corana-Zeiten dankbar sein. Aber die muss eben auch so kommuniziert und eingefordert werden.
Die Sichtweise macht den Unterschied! Wer im Zusammenhang mit Corona von 'den Alten' spricht, kann an Wegsperren denken, um seine Ruhe zu haben. Wer dagegen von Pflege-und Schutzbedürftigen spricht, denkt an Rücksicht nehmen und Rücksicht einfordern. Und er muss Geld in die Hand nehmen und Menschen beschäftigen, die pflegen und Schutz bereitstellen.
Schon im März - als in Berlin von einer Zwangsisolation der Ü70 die Rede war - hat die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg eine differenzierte wertschätzende Debatte eingefordert und frühzeitig auf die drohenden Zustände in den Pflegeheimen hingewiesen (Stellungnahme zur Zwangsisolation).
Merke: Weder die Corona-Krise noch die Rentendiskussion sind vorbei.

Wie weiter in der Seniorenarbeit im Bezirk?

Wann öffnen die Seniorenfreizeitstätten?


Eingang zur Seniorenfreizeitstätte und dem Seniorenwohnhaus Rudolf-Wissell-Haus. Covid-19 soll draußen bleiben. Zunächst sind die Seniorenfreizeitstätten noch geschlossen.

Am 17. März wurde die erste Verordnung über erforderliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Berlin in Kraft gesetzt. Von nun auf jetzt wurde die Seniorenarbeit des Bezirks umgestellt: keine Veranstaltungen, keine Fahrten und Besichtigungen, die Seniorenfreizeitstätten geschlossen. Die Beschäftigten des Bezirks zur Heimarbeit verdonnert, schon um sich nicht gegenseitig anzustecken. Telefonischer Notdienst. Für Senior*innen, die die vielfältigen Angebote des Bezirks und der Seniorenfreizeitstätten genutzt haben, ist das ein herber Verlust. Vor allem aber ein Verlust an sozialen Kontakten, die mit den Veranstaltungen, Kursen und Treffpunkten verbunden sind.
Auch das Interkulturelle Fest im Huzur am 19.6. und die beliebten Dampferfahrten werden in diesem Jahr Corona zum Opfer fallen.
Und bis auf weiteres bleiben die Seniorenfreizeitstätten geschlossen. "Alles andere wäre unverantwortlich", sagte der Sozialstadtrat Matthias Steuckardt dem Tagesspiegel am 5. Mai. Aktuell wird im Bezirksamt an den Konzepten für eine Wiedereröffnung gearbeitet. Dabei muss jede Seniorenfreizeitstätte gesondert betrachtet werden, weil die Raumsituation und die Frequentierung und die damit verbundene Gefährdungslage berücksichtigt werden müssen. Außerdem wird eine berlinweite Regelung angestrebt, die frühestens im Juni beschlossen werden kann. Es ist noch ein wenig Geduld erforderlich.


Nützliche Links und Telefonnummern

Sammelnummer für alle Anfragen an die
Seniorenarbeit im Bezirk Tempelhof-Schöneberg 030 90277-3258

Mehr Telefonnummern finden sich in früheren Newslettern.

Statt der ausführlicheren Liste möchten wir das Angebot von Silbernetz hervorheben. In Corona-Zeiten ist dieses von großer Wichtigkeit geworden und stark nachgefragt wird. Die Zahl der Menschen, die unter der Telefonnummer 0800 4 70 80 90 anrufen, hat sich im ersten Monat von Corona versechsfacht.


Ganz kurz gesagt, steht Silbernetz für:
Über 60 und niemand da zum Reden?
Silbernetz verbindet. Kostenlos. Anonym.
Täglich von 08:00 - 22:00 Uhr. - 0800 4 70 80 90

Das Motto von Silbernetz ist: Keine Frage ist zu groß. Kein Problem zu klein. Kein Grund, damit allein zu sein. Silbernetz bietet das Soforthilfetelefon, aber auch Silbernetz-Freund*innen, die einmal in der Woche zu festgelegten Zeiten anrufen. Silbernetz hat feste Mitarbeiter*innen, aber auch viele Freiwillige im Freundschaftsdienst. Mehr zum Angebot von Silbernetz → Silbernetz gegen Einsamkeit im Alter.



Kleine Hilfe mit großer Wirkung

Alltagshilfen für das Sicher Älter Werden im Kiez


Die kleine Hilfe ist schnell angebracht, macht aber den Gang zum Arzt für Einige unendlich viel leichter © Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg

Die Landesseniorenvertretung Berlin startete 2018 eine Fotoaktion "Sicher älter werden im Kiez". Welche Barrieren müssen dafür abgebaut werden? Was fehlt wo – z.B. Bänke zum Ausruhen beim Spaziergang oder beim Einkauf? Wo sind Mittelinseln viel zu schmal? Wo vermitteln Schmutz und dunkle Ecken Unsicherheit? Gesucht wurden Schwachpunkte, die es zu verändern gilt, aber auch gute Beispiele, wo vormalige 'Sicherheitslücken' erfolgreich geschlossen wurden.
Der Erhalt der Mobilität im Alter verlangt eine Breite von Lösungen für das Zusammenleben in den Kiezen, aber auch 'kleine Lösungen' wie im Foto oben. Die Landesseniorenvertretung wollte eigentlich im letzten Jahr eine Fotoausstellung organisieren, in der Mängel und Lösungen vorgestellt werden. Die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg hatte sich mit einigen Beiträgen beteiligt. Leider ist eine geplante Ausstellung einem Finanzierungswirrwarr zum Opfer gefallen. Deswegen erinnern wir ersatzweise an den Zwischenstand: Sicher Älter werden im Kiez vom Anfang letzten Jahres - tolle Fotos, viele Hinweise. Wie gesagt, etliche Hinweise kommen aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

 
Corona-Sicherheitsabstand ...

... für Fußgänger oft eine Illusion



Die Möglichkeit, einander mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 m auszuweichen, wie es in Zeiten der Corona-Pandemie erforderlich wäre, ist oft nicht gegeben. Während die Straße mit zwei Parkreihen belegt ist, behindern in der Wilhelm-Hauff-Straße zusätzlich noch Gehwegpoller das Aneinandervorbeikommen © Seniorenvertretung Tempelhof-Schönberg

Die Corona-Krise hat noch einmal verdeutlicht, wie sehr unser Leben durch die autogerechte Stadt geprägt ist. Die nicht genutzten Autos parken die Straßen zu und die Fußgänger können in vielen Fällen auf den übrig gebliebenen Gehwegen die erforderlichen Sicherheitsabstände von 1,5 m nicht einhalten.

Der Fachverband Fussverkehr FUSS e.V. bringt den Widerspruch auf den Punkt und empfiehlt in einigen Fällen die Straße zu benutzen: "Fußgänger müssen einerseits Gehwege benutzen, sagt die StVO in § 25 Absatz 1. Andererseits verbieten es ihnen aber die aktuellen Verordnungen der Länder, anderen Menschen zu nahe zu kommen. Tun sie das doch, gefährden sie derzeit Leib und Leben. Weichen sie aber achtsam auf den Rand einer nicht zu stark befahrenen Fahrbahn aus, kann das allenfalls Auto- und Radfahrern leicht irritieren. Das ist eindeutig das viel kleinere Übel."
Der FUSS e.V. hat Zehn Ideen für Städte und Gutes Gehen trotz Corona zusammengestellt.


Bundesallee

Wenn auf dem Radweg in der Bundesallee ein Radfahrer unterwegs ist, wird die Begegnung von Fußgängern im Sicherheitsabstand unmöglich, selbst wenn sie nicht an den Stellen aufeinandertreffen, die zusätzlich von Kundenstoppern oder Fahrradständern verengt werden. © Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg

Wenn der Fachbereich Straßen des Bezirks die Corona-bedingten Anforderungen ernst nehmen würde, hätte er eine Anregung der Seniorenvertretung in der Bundesallee längst umgesetzt. Einige der Parkplätze wären in Fahrradstellplätze umgewandelt worden, damit wenigstens die Fahrradständer vom Gehweg verschwinden. Besser noch die  Fahrradwege würden auf die Straße verlegt. Unweit davon ist die Schloßstraße für den Autoverkehr in jeder Richtung einspurig. Warum hier die Bundesallee vier Fahrspuren aufweist versteht nur ... der Verkehrsplaner.
Die Verwaltung bewegt sich nicht, es bleibt autogerecht: vier Fahrspuren, zwei Querparkerreihen und Fahrradwege auf den Gehwegen - d.h. leider weiterhin: Schlechtes Gehen mit Corona!


Der Enkeltrick mutiert in der Corona-Zeit

Die Polzei warnt vor falschen Enkeln


Die Polizei gibt Tipps und Verhaltenshinweise, wie man sich gegen die Betrüger schützen kann © Landeskriminalamt Seniorensicherheit


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Die Sitzungen der Seniorenvertretung
In der Regel treffen wir uns am 4. Donnerstag eines jeden Monats. Bis auf weiteres finden die Sitzungen der Seniorenvertretung nicht öffentlich statt.

Sprechstunden der Seniorenvertretung
Die Sprechstunden der Seniorenvertretung sind bis auf weiteres ausgesetzt.
Wer Fragen hat oder Beratung braucht, meldet sich bitte per eMail seniorenvertretung@ba-ts.berlin.de oder meldet sich beim Anrufbeantworter der Seniorenvertretung 030 90 277 - 68 48. Wir versuchen, zeitnah Rücksprache zu nehmen.


Newsletter der Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
Wir freuen uns über eine Bekanntmachung oder Weiterleitung des Newsletters. Wer den Newsletter bestellen will, kann das → hier tun. Es öffnet sich ein Formular, in das die eMail-Adresse eintragen wird. Danach muss nur noch ein Bestätigungslink aktiviert werden.
Frühere Newsletter finden sich → hier.
Sie wollen unseren Newsletter verbessern oder Sie haben Anregungen? Schreiben Sie uns: sv-ts@gmx.de



Ausgewählte Veranstaltungshinweise
Die diesjährige Berliner Seniorenwoche wird vom 25. September 2020 bis zum 2. Oktober 2020 unter dem Titel "Digitalisierung im Alter – Chancen und Herausforderungen" stattfinden.

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Zum Abschluss:


Eine Katze von Inko|Gnito schleicht um die Ecke beim Huzur in der Bülowstraße © Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg


Wer das Nachbarschaftstreffpunkt Huzur im Schöneberger Norden aufmerksam betritt, kann sie um die Ecke schleichen sehen: Eine der Katzen des polnischen Künstlers Inko|Gnito, die seit 2013 in ganz Europa zu finden sind.
Das türkische Wort »huzur« steht für Ruhe, Ausgeglichenheit und Friede. Das Huzur ist eine der Seniorenfreizeitstätten des Bezirks Tempelhof-Schöneberg und bietet ein abwechslungsreiches Programm für alle Altersklassen und unterschiedliche Nationalitäten.
Dass der Streetartist Inko|Gnito sich diesen Platz ausgesucht hat, liegt an einer anderen Institution, die an der nächsten Straßenecke zu finden ist: dem Streetart-Museum Urban Nation. Das hat viele Streetartisten aus aller Welt angezogen, die ihre Urban Art an den Häuserwänden der Bülowstraße hinterlassen haben. Seit dem 4. Mai kann das Museum wieder, übrigens kostenlos, besucht werden. Wer will kann eine → virtuelle Führung im Internet aufrufen, in der die künstlerische Ambition der Streeetart verdeutlicht wird.

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
Tempelhofer Damm 165
12099 Berlin
Deutschland

Anrufbeantworter: 030 90 277 - 68 48
sv-ts@gmx.de
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