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Newsletter der Seniorenvertretung
Tempelhof-Schöneberg 12/2020

Ältere Menschen und Digitalisierung


Ab in den Strafvollzug oder ins Kloster? / Mit Beharrlichkeit und Engagement / 15 Jahre: Eine andere Welt / Wohnen und Digitalisierung / Befragung: Gut Altwerden in Tempelhof-Schöneberg / Flaschenpost / Sitzung, aber keine Sprechstunden der Seniorenvertretung / Zum Abschluss

Ab in den Strafvollzug oder ins Kloster?

Ausgewählte Zitate aus dem Achten Altersbericht


Titelblatt des Achten Altersbericht - Ältere Menschen und Digitalisierung - →pdf-Download der Langfassung


Hervorhebungen durch die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg:

"... andererseits gibt es an vielen Stellen eklatante Lücken in der Verfügbarkeit von digitaler Basisinfrastruktur für ältere Menschen (z. B. Internetzugang in Pflegeheimen)." Seite 38

"Insofern erinnert der Umzug aus den eigenen vier Wänden – zumindest in technischer Hinsicht – mehr an den Umzug in den Strafvollzug oder in ein Kloster als in eine komfortable neue Wohnumgebung." Seite 69

Vielmehr steht die Wohnungswirtschaft vor der schwierigen Aufgabe, "Wohnungen gleichzeitig energetisch zu optimieren, barrierefrei und smart auszustatten und bezahlbar zu halten." Seite 72

"Tatsächlich zeigt sich in empirischen Studien, dass die Nutzung digitaler Kommunikationstechnologien soziale Ungleichheit verschärft." Seite 85

"Pflege ist gesellschaftlich allerdings sehr unterschiedlich organisiert. Die skandinavischen Länder etwa haben ein komplexes, servicebasiertes Pflegesystem etabliert, in Deutschland wird Pflegearbeit ganz maßgeblich familienbasiert getragen." Seite 93

Zu nach der Übersiedelung in eine Senioreneinrichtung nicht mehr nutzbare elektronische Geräten: "Diese Form der Enteignung ist nicht selten mit erheblichen Folgen z.B. für die Kontakthäufigkeit und -intensität mit Familienmitgliedern verbunden, insbesondere, wenn diese nicht im näheren Umfeld der Pflegeeinrichtung leben." Seite 96

"Ganz wesentlich ist dabei die Feststellung, dass nicht alle Älteren in gleichem Maße Zugang zu digitalen Technologien haben ('digitale Spaltung'). Ein nicht tolerierbarer Anteil älterer Menschen hat keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Technologien." Seite 133

"Aus diesem Grunde empfiehlt die Sachverständigenkommission, dafür Sorge zu tragen, dass in allen Wohnformen älterer Menschen Internetzugänge bereitstehen und genutzt werden können (Privatwohnungen, Betreutes Wohnen, Bewohnerzimmer in der stationären Versorgung). Weiterhin sollten Bund, Länder und Kommunen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass das Internet im öffentlichen Raum und in öffentlichen Einrichtungen (z. B. Rathäusern und Bahnhöfen, in den Stadtteilen, Quartieren und Dörfern, in Verkehrsmitteln) flächendeckend und kostenfrei genutzt werden kann." Seite 135

"Für ältere Menschen, die ein geringes Einkommen haben oder Grundsicherung im Alter erhalten, sollte die Nutzung des Internets zu Hause und ebenfalls die Anschaffung von digitaler Technik, die zur Erhaltung bzw. Ermöglichung von Autonomie und Teilhabe beiträgt, über sozialrechtliche Hilfe im SGB XII gefördert werden." Seite 135


Auf der → Internetseite zum Achten Altersbericht können der Bericht sowie eine kürzere Broschüre heruntergeladen oder bestellt werden. Es gibt auf der Seite auch weitere Links u.a. zu den früheren Altersberichten. → pdf-Download der Broschüre


Mit Beharrlichkeit und Engagement

Peter Witt


Peter Witt zeigt Masken, die von Geflüchteten für die Seniorenfreizeitstätten genäht und in einer Sitzung der Seniorenvertretung überreicht worden sind © Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg


Peter Witt wurde 2017 in die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg gewählt und gehört seitdem als stellvertretende
r Vorsitzender dem Vorstand an, der die Arbeit der Seniorenvertretung koordiniert. Er vertritt die Senior*innen im Hauptausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Er nimmt die Interessen auch im Ausschuss Facility Management wahr.
Peter Witt gründet die Interessenvertretung für die älteren Menschen auf ein weit geknüpftes Netz, das seinen Ausgangspunkt im Berufsleben als Arbeitnehmervertreter bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) genommen hat. Der Newsletter des Tagesspiegel für Tempelhof-Schöneberg hat ihn und seine Tätigkeit als Betriebsrat, ehrenamtlicher Richter im Arbeits- und Sozialgericht, Gewerkschafter und Mitglied zahlreicher sozialer Einrichtungen kürzlich portraitiert, weswegen wir gern darauf verweisen. → Nachbarschaft Tagesspiegel

15 Jahre: Eine andere Welt

Achter Altersbericht - Digitale Spaltung


Wie sehr sich die Kommunikationsstrukturen in den 15 Jahren zwischen 2002 und 2017 verändert haben, kann an den beiden Diagrammen abgelesen werden. Internetzugang spielte nur in einem Teil der Gesellschaft eine Rolle. Bei den über 60-Jährigen hatte das Internet wenig Verbreitung. Schon um die Jahrtausendwende hatte die Bildung erheblichen Einfluss.


Die Bundesregierung beauftragt seit Anfang 90er Jahre in jeder Legislaturperiode eine unabhängige Kommission, um über die Lage der Älteren Menschen in der Gesellschaft unter einem speziellen Thema einen Bericht zu erstellen. Der Achte Altersbericht "Ältere Menschen und Digitalisierung" wurde im August veröffentlicht. Im Newsletter gehen wir auf einige uns wichtige Aspekte ein.
Die Kommission zeigt die Veränderung durch die Digitalisierung an Hand von Zahlen zum Internetzugang auf. Während um die Jahrtausendwende die Mehrheit der Gesellschaft noch keinen Internetzugang hatte, ist das Internet heute allgegenwärtig. Menschen im Berufsleben kommen daran nicht vorbei.

Bei den Berufstätigen bis ins Rentenalter ist ein Internetzugang 2017 fast flächendeckend vorhanden. Aber eben nur fast - zwischen 10 und 20 % haben ihn nicht. Ab dem Alter von Mitte 60 zeigt sich eine zunehmende Kluft zwischen denen, die Internetzugang haben oder nicht. Bildung, Geschlecht, und soziale Stellung haben erheblichen Einfluss - besonders stark prägt der Bildungshintergrund. (Grafik Seniorenvertretung / Daten, Achter Altersbericht, Seite 62)


Allerdings stellt die Kommission, die ihren Bericht schon vor der Corona-Pandemie verfasst und im Januar übergeben hatte, bei den Älteren Menschen eine Kluft fest. Sie spricht von der Gefahr einer digitalen Spaltung. Ein mit dem Alter größer werdender und nicht tolerierbarer Anteil der Menschen hat keinen Internetzugang. Einfluss haben vor allem die Bildung, Geschlecht und die soziale Stellung der Menschen. Höhere Bildung hat über den Beruf nahezu zwangsläufig Internetnutzung nach sich gezogen. Der Mann kümmert sich um Technik, folglich auch ums Internet. Migrationshintergrund und soziale Stellung kommen hinzu.


Perspektivwechsel: mit den gleichen Zahlen. Was aus dem einen Blickwinkel den umfassenden gesellschaftlichen Wandel verdeutlicht, zeigt in der anderen Perspektive, dass ein Teil der Gesellschaft abgehängt wird. Die Masse der über 75-Jährigen wird vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, wenn nicht gezielt gegengesteuert wird. Die Kommission des achten Altersberichtes fasst die damit verbundenen Prozesse als digitale Spaltung zusammen.

Die Corona-Pandemie hat den Ausschluss der älteren Menschen ohne Internetanschluss festgezurrt. Während des Lockdowns konnten die Internetnutzer immerhin noch Online-Angebote der Theater oder der Berliner Philharmoniker nutzen. Nach dem Lockdown sind in vielen Theater und Museen Zeitfenster lediglich im Internet zu buchen und elektronisch zu bezahlen. Ebenso war es bei den Freibädern. Wer nicht vor Corona im Netz war, tut sich unendlich schwer, die neuartigen Möglichkeiten der Kommunikation mit Verwandten und Freunden zu nutzen, die das Netz den Kundigen bietet; wenn er nicht gänzlich davon ausgeschlossen ist.
Der Ausbau des freien Wlan in den öffentlichen Einrichtungen wie den Rathäusern aber auch den Seniorenfreizeitstätten hinkt arg hinterher. Und reicht es, wenn der Bezirk sagt, dass er nicht wisse, ob in den Seniorenheimen Wlan eingerichtet sei, das sei doch Aufgabe der privaten Betreiber? Muss der Bezirk nicht offensiv das Gespräch mit den Betreibern suchen?


Wohnen und Digitalisierung

Chancen auf Gutes Altwerden


Die GESOBAU hat 2017 im Märkischen Viertel eine Musterwohnung eingerichtet, in der einige digitale Hilfen verbaut sind, die den Umzug in ein Pflegeheim verzögern oder vermeiden können: "Bei den Einbauten wurden bewusst technische Lösungen gewählt, die für Nutzer leicht bedienbar und bezahlbar sind und damit niedrigschwellig umgesetzt werden können." © GESOBAU Berlin


Die Kommission des Altersberichts hat sechs wichtige Bereiche der Lebenswelt älterer Menschen nach den Potentialen der Digitalisierung für Gutes Altwerden untersucht. Die sechs Bereiche sind: Wohnen - Mobilität - Soziale Integration - Gesundheit - Pflege - Sozialraum.
Beim Thema Wohnen können sich viele ältere Menschen vorstellen, digitale Technologien zu nutzen, wenn sie ihnen ermöglichen auch in hohem Alter im gewohnten Umfeld zu leben. Die Kommission hat zusammengetragen, was es schon gibt, was möglich erscheint und welche Voraussetzungen damit verbunden sind. Einige Unterstützungssysteme erhöhen die Sicherheit, weil sie Stürze erkennen oder weil das Licht intelligent gesteuert wird. Saugroboter helfen bei der Haushaltsführung, Blutdruck kann dem Pflegedienst oder Arzt/Ärztin gemeldet werden. Handwerkdienst oder Lieferungen von Lebensmitteln können übers Internet bestellt werden.
Viele dieser Lösungen sind noch Insellösungen, immer nur für einen Zweck entwickelt. Jede Bedienoberfläche muss neu gelernt werden, weil sie nicht nutzerfreundlich und selbsterklärend gestaltet sind. Technik wird immer noch für  junge Menschen entwickelt; die Literatur hat dafür den Begriff Early Adopters geprägt.
Die Technik braucht viele Sensoren und Schnittstellen und produziert viele Daten ... und wirft deshalb umfassende Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit auf.
Noch, so die Schlussfolgerung der Kommission, versprechen die Assistenzsysteme viel, aber ob sie wirklich das Potential haben, den Umzug in eine Pflegeeinrichtung in großem Maßstab zu verzögern, ist nicht wirklich wissenschaftlich belegt.
So wie für den Bereich Wohnen hat die Kommission die Voraussetzungen, Potenziale und Gefahren für alle genannten Bereich zusammengetragen und daraus zwölf Empfehlungen entwickelt. → Kurzfassung ab Seite 43


 

Befragung: Gut Altwerden in Tempelhof-Schöneberg

Zur Verbesserung der Angebote im Bezirk


Das Bezirksamt in Tempelhof-Schöneberg möchte in Erfahrung bringen, wie die Angebote für die über 60-Jährigen verbessert werden können. Den Fragebogen gibt es bei der Seniorenarbeit oder als → Online-Befragung © Computer Eyewear - Michael Saechang (CC BY-SA 2.0)

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg führt zurzeit eine Befragung der über 60-Jährigen im Bezirk durch, um in Erfahrung zu bringen, wie die Angebote der Einrichtungen und Organisationen im Bezirk, die mit älteren Menschen zu tun haben, besser gestaltet werden können.
Es werden z.B. Fragen zum Wohnumfeld gestellt. Wie ist es mit der Sicherheit? Bänke und Toiletten, was fehlt? Welche Angebote werden gewünscht? Und so weiter.
Die Seniorenvertretung unterstützt die Befragung und bittet Sie, sich an der Befragung zu beteiligen. Das geht auf Papier oder Online. Wer die Befragung auf Papier erledigen will, kann das beim Amt für Soziales – Seniorenarbeit telefonisch in die Wege leiten: 030/90277-8756.


Flaschenpost

Senior*innen und Jugendliche schreiben sich und was wird daraus? - Theater


Unter dem Titel Einblicke bietet das Berliner Ensemble verschiedene Veranstaltungsformate zum Mitmachen an. Im Projekt Flaschenpost! begegnen sich in Pandemie-Zeiten Jugendliche und Senior*innen digital auf Abstand © Birte Zellentin - Berliner Ensemble

Das Berliner Ensemble sucht Senior*innen für einen generationsübergreifenden Schreibclub. Über die Distanz schreiben Schüler*innen und Senior*innen sich Briefe mit Gesprächen über die Gegenwart und die Gesellschaft. Woran glaubst du? Hast du dir mal gewünscht in einer anderen Zeit zu leben? Ausgehend von 3-minütigen Theaterszenen aus unterschiedlichen Inszenierungen des Berliner Ensembles bekommen die Teilnehmer*innen Gesprächsimpulse und Themenvorschläge. Einmal pro Monat kommt es zum Briefaustausch. Ende Januar werden Ausschnitte der Briefe in ein Audio-Format verwoben, die Teilnehmer*innen können ihre Texte einsprechen und das Ergebnis wird im Hof des Berliner Ensembles präsentiert. Fragen und Anmeldungen zu Flaschenpost! bis zum 9. Oktober an: einblicke@berliner-ensemble.de.
Weitere →Kommunikationsschnipsel im digitalen Ausstellungsraum.



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Die Sitzungen der Seniorenvertretung
In der Regel treffen wir uns am 4. Donnerstag eines jeden Monats. Bis auf weiteres finden die Sitzungen der Seniorenvertretung nicht öffentlich statt.

Sprechstunden der Seniorenvertretung
Die Sprechstunden der Seniorenvertretung sind bis auf weiteres ausgesetzt.
Wer Fragen hat oder Beratung braucht, meldet sich bitte per eMail seniorenvertretung@ba-ts.berlin.de oder auf dem Anrufbeantworter der Seniorenvertretung 030 90 277 - 68 48. Wir versuchen, zeitnah Rücksprache zu nehmen.

Newsletter der Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
Wer den Newsletter bestellen will, kann das → hier tun. Es öffnet sich ein Formular, in das die eMail-Adresse eintragen wird. Danach muss nur noch ein Bestätigungslink aktiviert werden.
Frühere Newsletter finden sich → hier.
Schreiben Sie uns: sv-ts@gmx.de


Ausgewählte Veranstaltungshinweise
17. September. 14-17 Uhr. Tag der Patientensicherheit. Vor dem Rathaus Tempelhof.
19. September. 9-13 Uhr. Verschenk- und Tauschmarkt. Sperrguttransport. Kurmärkische Straße.
25. September - 2. Oktober. Digital im Alter. Seniorenwoche. Online.
1. Oktober.  Internationaler Tag der älteren Menschen.
1. - 2. Oktober. Bundesseniorenkongress in Berlin. Teilhabe in einer sich digital verändernden Welt.
7. Oktober. 10 Uhr. Kiezspaziergang Friedenau. Telefonische Anmeldung: 90277-4553.

"Technik-C@fe", "PC-Hilfe", "Computerkurse für Senior*innen", "Digitale Hilfe und Beratung" heißen die Angebote der Seniorenfreizeitstätten bzw. des Nachbarschaftsheim Schöneberg und des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum Marienfelde Süd. Manche finden wöchentlich statt, andere monatlich. In der Regel ist die Anmeldung Pflicht. Viele sind kostenlos, einiges kostet. Telefonisch bitte nachfragen oder sich beim Online suchen helfen lassen.

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Zum Abschluss:


Bayerisches Viertel - Orte des Erinnerns - Renata Stih & Frieder Schnock - Leitende jüdische Angestellte können ohne Abfindung und Versorgung gekündigt werden. Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 © Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg

Orte des Erinnerns sind ein dezentrales Denkmal, das Renata Stih und Frieder Schnuck 1993 im Bayerischen Viertel in Schöneberg in Szene gesetzt haben. 80 doppelseitige Straßenschilder weisen auf antijüdische Gesetze und Verordnungen hin, die von den Nazis 1933 bis 1945 erlassen worden sind. Kein Schulbesuch für Kinder, Lebensmitteleinkauf nur nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, Praxisentzug für Ärzt*innen stehen für die Entrechtung und Entbehrungen, die die Juden während der Nazi-Zeit bis hin zu Deportation und Ermordung erleben mussten. Der Anteil jüdischer Bürger*innen war im Bayerischen Viertel bis 1933 ungewöhnlich hoch, weshalb die Gegend bei einigen auch den Namen "Jüdische Schweiz" trug.
Ein Spaziergang im Viertel wird durch die Schilder leicht zu einem Spaziergang für Erinnerung und gegen Vergessen.

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
Tempelhofer Damm 165
12099 Berlin
Deutschland

Anrufbeantworter: 030 90 277 - 68 48
sv-ts@gmx.de
www.seniorenvertretung-tempelhof-schoeneberg.de