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Newsletter der Seniorenvertretung
Tempelhof-Schöneberg 04/2021


Parks retten


Sport und Bewegung im Alter ... ohne Toilette? / Vera Grandke im Frauenbeirat / Stolpersteinputzaktion am 8. Mai / Ehrenamtliche rechtliche Betreuer*innen gesucht / Krass, die älteren Radfahrenden / Parkbündnis gegründet / Online-Sprechstunde … geht vom Netz / Sitzung und Sprechstunde der Seniorenvertretung / Zum Abschluss


14. Juni 2021
Sport und Bewegung im Alter … ohne Toilette?

Durch Corona werden Schwachstellen offengelegt



In Berlin hat der Sport nicht nur Verfassungsrang. Er soll auch allen Bevölkerungsgruppen ermöglicht werden • Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg unter Verwendung einer Grafik von der Internetseite der Landeszentrale für Politische Bildung

Neulich im Sportausschuss der Bezirksverordnetenversammlung:
Die Seniorenvertretung nutzt den Tagesordnungspunkt Verschiedenes dazu, darauf hinzuweisen, dass nach dem Ende der Pandemie noch einmal über verschiedene Aspekte geredet worden sollte, die bisher von der Wucht der Pandemiewellen an den Rand gedrängt worden sind. Einer dieser Aspekte sei das Schließen der Toiletten in öffentlichen Einrichtungen wie den Rathäusern, den Bibliotheken oder den Seniorenfreizeiteinrichtungen für den Publikumsverkehr. Ältere Menschen sind auf die Toiletten angewiesen, zumal Cafés und Geschäfte ihre Toiletten mit Verweis auf die Corona-Richtlinien auch verschlossen hatten. Für ältere Menschen bedeutet das, dass sie in ihrer Bewegungsfreiheit beim Spazierengehen, Joggen und Nordic Walken im Park zum Teil extrem eingeschränkt werden.
Der Sprecher der Fraktion, die in Berlin den Senator für Inneres und Sport stellt, fand diesen Hinweis völlig unpassend und wollte den Seniorenvertreter der Zuständigkeit halber auf den Facility Management Ausschuss verweisen. Allerdings wurde die Seniorenvertretung von Sprecherinnen anderer Fraktionen unterstützt.
Der Sportsenator ist für die Sportstudie 2017 verantwortlich, die sich u.a. dadurch auszeichnet, dass sie einen sogenannten erweiterten Sportbegriff zugrunde legt, der nicht nur den Vereins- und Schulsport berücksichtigt, sondern daneben die vielfältigen Bewegungsformen beachtet, die Menschen sonst noch ausüben: bspw. Tanzen, Spazierengehen, Radeln und Wandern.
Um den Unterschied zu verdeutlichen: Nicht einmal 15% der über 60-Jährigen sind noch im Verein; aber die Aktivenquote der über 65-Jährigen in Berlin liegt bei über 73%, wenn der erweiterte Sportbegriff der Sportstudie zu Grunde gelegt wird.
Dass die Frage des Zugangs zu Toiletten ein dickes Brett ist, das gebohrt sein will, sagt die Seniorenvertretung schon lang. Dass Sport und Bewegung im Alter vor allem kein Vereinssport ist und trotzdem gefördert werden sollte, ist offenbar auch so ein dickes Brett.
Corona hat noch andere Schwachpunkte offengelegt, an denen nachgearbeitet werden muss. Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Plötzlich gab es verschiedene Angebote im Kultur- und Sportbereich nur noch online und damit waren viele Menschen ausgeschlossen.



Vera Grandke im Frauenbeirat

Neugegründeter Beirat bringt die Interessen der Hälfte der Gesellschaft
in besonderer Weise ein



Die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler während der ersten Online-Sitzung des Frauenbeirates Tempelhof-Schöneberg • © Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

Ähnlich wie es sich bewährt hat, dass die Interessen von Senior*innen durch ein eigenes Gremium - die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg - zur Geltung gebracht werden, wurde dieses Modell nun in gleichstellungspolitischen Fragen im Bezirk verankert. Im letzten Jahr beschlossen und in diesem Jahr eingerichtet wurde der Frauenbeirat in Tempelhof-Schöneberg. Zehn starke Frauen, zwischen 19 und 75 Jahre alt, mit unterschiedlichen familiären und sozialen Lebenslagen im Hintergrund versuchen in den nächsten Jahren die Interessen der einen Hälfte der Gesellschaft stärker in die politische Entscheidungsfindung des Bezirkes einzubringen. In einem Artikel der Gazette für Schöneberg und Friedenau wurden diese Frauen vorgestellt.
Sie werden sich alle zwei Monate treffen. Die ersten Treffen fanden pandemiebedingt online statt. Bei den ersten Treffen war von Bedeutung, wie sich das neue Gremium im politischen Raum einbringen kann: Neue Institutionen suchen ihre Beteiligungsformen im vorhandenen System; so geht es auch den Frauen.
Im Frauenrat dabei ist Vera Grandke, die zugleich Mitglied in der Seniorenvertretung Tempelhof-Schönberg ist. Sie wird versuchen, die Besonderheiten der älteren Frauen einzubringen. Unter den älteren Menschen sind die Frauen die Mehrheit. Wegen der ungenügenden Würdigung der Lebensleistung sind viele von ihnen durch Altersarmut bedroht oder davon betroffen.
Zu Vera Grandke finden sich auf der Homepage der Seniorenvertretung weitere Informationen.



Der Gedanke zwischendrin

Ein guter Platz oder ein guter Park sind wie eine gute Party –
die Leute bleiben viel länger als geplant.


Stolpersteinputzaktion am 8. Mai

"Das finde ich gut, dass Sie die Steine putzen"

Stolpersteinputzaktion am 8. Mai. Peter Witt von der Seniorenvertretung putzt einen Stolperstein am Bayerischen Platz, um ihn zum Glänzen zu bringen und das Schicksal der vielen Deportierten und Ermordeten in Erinnerung zu rufen. • Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg, CC BY-SA 4.0

Der 8. Mai ist in vielen europäischen Ländern ein Feier- und Gedenktag. Seit der Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker 1985 im Bundestag hat auch im Westen Deutschlands ein Wandel in der Gestaltung dieses Tages der Befreiung vom Hitler-Faschismus eingesetzt. Im letzten Jahr gab es an diesem Tag im Bezirk ein Putzaktion von Stolpersteinen, die an das Schicksal der vielen Deportierten und Ermordeten erinnern. Die Beteiligten des letzten Jahres haben sich dieses Jahr erneut zusammengefunden, um an den Tag der Befreiung zu erinnern und der Ermordeten und Verfolgten zu gedenken.
Neben den Senioren von DGB und Verdi, der Initiative Stolpersteine Tempelhof-Schöneberg, die SPD Schöneberg und der Stolpersteininitiative Stierstraße aus Friedenau hat sich dieses Mal auch die Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg an der Putzaktion beteiligt.
Die Stolpersteine haben auch die Aufgabe, den vielen Deportierten und Ermordeten die persönliche Erinnerung zurückzugeben, um sie nicht in der großen Zahl verschwinden zu lassen. Bevor ein Stolperstein verlegt wird, wird deshalb umfassend nach Erinnerungen und Nachweisen geforscht. Wenn genügend Hinweise gefunden werden, lässt sich die Geschichte wie etwa bei Benedict Lachmann, der hier herausgegriffen sei,
rekonstruieren und dann in Wikipedia nachlesen.
Für die Stierstraße in Friedenau ist das in exemplarisch vielen Fällen gelungen. Im gerade neu erschienenen Buch, das Petra Tamara Fritsche verfasst hat - Von Häusern und Menschen -, bekommen viele der Verfolgten wieder ein Gesicht. Darüber hinaus wird aber zum Beispiel auch erzählt wie bedrückend die sogenannte Wiedergutmachung nach 1945 verlaufen ist.


Zum Beispiel: Benedict Lachmann. Benedict Lachmann ist als junger Mann nach Berlin gekommen, hatte einigen Kontakt zu allen möglichen Leuten, die im Romanischen Café saßen und gründete später eine Buchhandlung am Bayerischen Platz, in der u.a. Albert Einstein seine Bücher kaufte • Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg, CC BY-SA 4.0


Ehrenamtliche rechtliche Betreuer*innen gesucht

Der Cura-Betreuungsverein organisiert Hilfe

Der Cura Betreuungsverein sucht ehrenamtliche rechtliche Betreuerinnen und Betreuer, die Menschen mit Betreuungsanspruch vertreten und unterstützen. • © Cura / Robert Kneschke

Die Seniorenvertretung hat an einem Zoom-Meeting teilgenommen, in dem die Arbeit des Cura-Betreuungsvereins vorgestellt wurde. Gern unterstützen wir die Suche nach ehrenamtlichen Betreuer*innen:
Sie möchten sich ehrenamtlich sozial, kompetent und mit einer starken persönlichen Komponente engagieren? Ihnen liegen organisatorische Aufgaben? Sie scheuen keine Behörden oder rechtlichen Fragen? Ehrenamtliche rechtliche Betreuerinnen und Betreuer vertreten und unterstützen Menschen mit langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Demenz, Schwerbehinderungen und psychischen Erkrankungen.
Sie organisieren Hilfen, die für den Erhalt des sozialen Lebens der Betroffenen nötig sind. Soweit die Betroffenen selbst nicht mehr dazu in der Lage sind, vertreten rechtliche Betreuerinnen und Betreuer die Betroffenen gegenüber Ärzten, Pflegediensten, Krankenversicherungen, Vermietern, Behörden, Banken und Versicherungen. Sie haben Interesse an dem verantwortungsvollen Ehrenamt?
Der Cura-Betreuungsverein Tempelhof-Schöneberg des Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. informiert Sie gern, auch über die begleitenden Beratungs- und Fortbildungsangebote.
Ansprechpartnerinnen: Claudia Rey und Ute Göckler,
Telefon 030 – 85 69 80 10, email: cura-ts@nbhs.de 


Krass, die älteren Radfahrenden

Altersdiskriminierung und Sprache

Fahrrad-mobil bis ins hohe Alter - selbst mit Gehbehinderung - das geht gut mit einem Dreirad. Einige Radwege sind dafür schon ausgebaut. Im Zuge der Verkehrswende sollten es mehr und mehr werden • Foto: Jens Rost CC BY-SA 2.0

Bei der Suche nach Gestaltungshinweisen für gemeinsame Geh- und Radwege ist die Seniorenvertretung vor kurzem auf einen Leitfaden gestoßen, der im Auftrag des Bundes erstellt worden ist. Darin fand sich ein Absatz, der stutzen lässt:

"Kinder und Neueinsteiger sammeln noch erste Erfahrungen auf dem Fahrrad und bewegen sich deshalb teilweise noch unsicher. Die Anforderungen des Verkehrs übersteigen oft die kognitiven Möglichkeiten von Kindern (bis ca. 10-14 Jahren) und ältere Radfahrende."

Ja, es ist ungefähr vorstellbar, was die Autoren des Leitfadens mit ihrem Text gut gemeint beabsichtigen. Aber es ist in der Tat krass, wie altersdiskriminierend hier die Sprache herüberkommt, mit der sie das formulieren. Die älteren Menschen über 60 Jahre sind die heterogenste Gruppe der Gesellschaft: Pflegen doch z.B. manche 60-Jährige ihre 90-Jährigen Eltern und beide Generationen haben völlig unterschiedliche Mobilitätserfordernisse und -möglichkeiten. Die Betreuenden und Betreuten mögen dabei in einigen Fällen geh- oder sehbehindert oder in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt sein oder auch nicht. Das Altersbild, das in dem Leitfaden transportiert wird, ist jedenfalls in keinem Fall geeignet, die besonderen Belange von älteren Menschen im Zusammenhang mit Verkehrssituationen adäquat zu berücksichtigen.
Die Seniorenvertretung hat die Verfasser auf die unsensible Sprache ihres Leitfadens hingewiesen und diese haben umgehend Abhilfe versprochen. Der Leitfaden für "Radfahrende und zu Fuß Gehende auf gemeinsamen und getrennten selbstständigen Wegen" soll demnächst in einer geänderten Fassung verfügbar sein.


Parkbündnis gegründet

Contra Radschnellverbindung im Park

Mitglieder der Seniorenvertretung und der Bezirksgruppe des FUSS e.V. haben in gemeinsamen Aktionen im Hans-Baluschek-Park auf die hier geplante Radschnellverbindung aufmerksam gemacht • Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg, CC BY-SA 4.0

Die bekanntgewordenen Pläne für die Radschnellverbindung Teltowkanalroute (RSV Nr. 6) haben die Seniorenvertretung und den FUSS e.V. alarmiert. In Schöneberg wird der Hans-Baluschek-Park zerschnitten und am Teltowkanal werden die Erholung Suchenden vom Kanal in die zweite Reihe verdrängt und auf schmale Wege verwiesen. Bei Informationsaktionen im Park und am Kanal wurde schnell klar, dass viele Menschen gegen diese fahrradzentrierten Planungen aufbegehren.
Am 9. Juni fand in einer Online-Sitzung die Gründung eines Parkbündnis Schöneberg-Steglitz statt. Aufgerufen hatten die beiden Seniorenvertretungen in Tempelhof-Schöneberg und in Steglitz-Zehlendorf und der FUSS e.V. Unterstützt wird der Aufruf von Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverband (ABSV), Grüne Radler Berlin und Naturfreunde Berlin.
Wer sich für die Mitarbeit im Parkbündnis interessiert oder informiert werden will, schreibt eine Email an parks-retten@fuss-ev.de .
Die Seniorenvertretung Tempelhof-Schönberg hat darüber hinaus einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Der Antrag trägt den Titel "Hans-Baluschek-Park erhalten und aufwerten" und kann unter der Drucksache - 2237/XX aufgerufen werden.

Online-Sprechstunde … geht vom Netz

Während der Corona-Pandemie schien es eine gute Idee, die Sprechstunden der Seniorenvertretung, die ja nicht stattfinden konnten, in das Internet zu verlagern. Seit Januar haben wir deshalb eine Online-Sprechstunde angeboten. Da das Angebot aber überhaupt nicht genutzt worden ist, geht es nun vom Netz.
Vielleicht sind wir älteren Menschen es noch zu wenig gewohnt, solche Angebote zu nutzen. Oder die, die es brauchen, haben nicht die nötige Ausstattung. Was auch immer die Gründe für die mangelnde Nutzung sein mögen, vielleicht wird es ein ähnliches Angebot zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal geben. Jetzt war ganz offensichtlich die Zeit dafür noch nicht reif.


Sitzungen der Seniorenvertretung
In der Regel treffen wir uns am 4. Donnerstag eines jeden Monats. Bis auf weiteres finden die Sitzungen der Seniorenvertretung nicht öffentlich statt.

Sprechstunden der Seniorenvertretung
Die Sprechstunden der Seniorenvertretung sind bis auf weiteres ausgesetzt.
Ausnahme
ist der
dritte Dienstag (nächster Termin: 15. Juni) von 11 - 13 Uhr im Nachbarschafts- und Familienzentrum Kurmark

E-Mail
seniorenvertretung@ba-ts.berlin.de
Anrufbeantworter der Seniorenvertretung 030 90 277 - 68 48.

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Ausgewählte Veranstaltungshinweise
Ab dem 14. Juni sind nicht nur die Außenbereiche, sondern auch die Innenbereiche der Seniorenfreizeitstätten unter Auflagen wieder geöffnet!


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Zum Abschluss:


Gedenktafel für Hans Baluschek in der Anlage der Ceciliengärten in Berlin-Schöneberg. Ceciliengärten 27 • Foto: OTFW, CC BY-SA 3.0

Hans Baluschek (1870 - 1935), der Namensgeber für den Parkstreifen zwischen dem Südkreuz und dem S-Bahnhof Priesterweg, wurde zwischen 1929 und 1933 in den Ceciliengärten die großzügige Atelierwohnung im Eingangsturm zur Verfügung gestellt, die er nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlassen musste. Die Familie zog in die Bozener Straße. Schon seit 1895 war die Familie Baluschek im Bezirk Schöneberg verankert: Gotenstraße, Vorbergstraße, Akazienstraße und die Hauptstraße waren die Stationen.
Hans Baluschek war als anerkannter Künstler auch in verschiedenen Künstlerorganisationen tätig. Gleichwohl hatte seine sozialkritische Malerei unter einigen zeitgenössischen Kunstkritikern den Ruf von: "Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze". Unter diesem Titel hatte das Bröhan-Musuem 2020 eine Jubiläumsausstellung ausgerichtet.

Was bedeutet CC BY-SA 4.0? Diese Creative Commons Lizenz besagt, dass das Foto, der Text oder die Grafik zu gleichen Bedingungen bearbeitet, vervielfältigt und weitergegeben werden darf, wenn die Urheberin benannt wird. Genauer CC BY-SA 4.0

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sv-ts@gmx.de
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